Erzählcafés

Ein zentrales Element der Arbeit der Geschichtswerkstatt Uelzen e. V. sind die Erzählcafes. Ein Generationenwechsel machte es möglich, dass sich heute viel offener und ehrlicher über die dunkle Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland auseinandersetzen lässt. Der Dialog zwischen den Generationen kann nun mitten in der Gesellschaft geführt werden und so auch dazu beitragen, manch “weiße Flecken” in der lokalen Geschichte aufzuhellen.
Eine wesentliche Unterstützung erhielt die Geschichtswerkstatt von der St. Johannisgemeinde Uelzen, die ihre Räumlichkeiten für die Erzählcafés zur Verfügung stellte.

1. Erzählcafé

Thema: “BDM Schön war die Zeit?”
Termin: 25. Februar 2001
Teilnehmende: Almut Schröder geb. Vogler
Moderation: Dietrich Banse, Gerard Minnaard

Almut Schröder, Jahrgang 1914, war die erste Führerin der Uelzener Ortsgruppe des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Etwa 15 Mädchen hatten der Organisation zu Beginn angehört. Volkstänze und Lieder hatten auf dem Programm gestanden, bevor politische Inhalte Einzug hielten. Mit vordergründig harmlosen Lieder- und Volkstanzveranstaltungen wurden die Mädchen manipuliert und für die Politik der Nazis indoktriniert.
Auch im eigenen Verhalten äußerte sich das: Eindrucksvoll schilderte Schröder während des Erzählcafes, wie sie in ihrer damaligen Funktion als Führerin der BND-Ortsgruppe dafür sorgte, dass eine jüdische Mitschülerin am Lyzeum durch den Direktor ihres Platzes neben einer BDM-Schulführerin verwiesen wurde. “Es war mir so unangenehm”, so die Aussage von Schröder dazu, “Hanna war nämlich ein Mädchen aus der Nachbarschaft, mit dem ich oft gespielt hatte, aber Befehl war Befehl”.

Fast 100 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Ausführungen und die sich anschließende Diskussion.

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