Fritz Plaut

Fritz PlautFritz Plaut Fritz Plaut, geboren 1905 in Uelzen, machte Fritz Plaut 1923 am Realgymnasium in Uelzen das Abitur. Danach absolvierte er eine Banklehre und arbeitete bis zum Frühjahr 1928 im kaufmännischen Bereich. Von 1928 bis 1930 studierte er Jura. Im Rahmen seines Referendariats durchlief er Ausbildungsstationen an verschiedenen Gerichten., geboren 1905 in Uelzen, machte Fritz Plaut 1923 am Realgymnasium in Uelzen das Abitur. Danach absolvierte er eine Banklehre und arbeitete bis zum Frühjahr 1928 im kaufmännischen Bereich. Von 1928 bis 1930 studierte er Jura. Im Rahmen seines Referendariats durchlief er Ausbildungsstationen an verschiedenen Gerichten. Im August 1933 wurde er aus dem Justizdienst entlassen. Grundlage dieser Entscheidung war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933, das eine Beschäftigung Deutscher jüdischen Glaubens nicht gestattete.

Fritz Plaut erkannte schnell, dass ein Verbleib in Deutschland unter nationalsozialistischer Herrschaft für ihn und seine Familie keinen Sinn machen würde und entschloss sich nach einer Erkundungsreise nach Argentinien im Jahr 1936 ein Jahr später, in das südamerikanische Land zu emigrieren. Der Start in Argentinien war für ihn wie auch für die gesamte Familie schwierig. Langsam jedoch ging es bergauf, so wurde er bald Einkaufschef einer Metallfirma. Zusammen mit einem Bekannten gründete er 1945 eine Porzellanmanufaktur. Er starb am 9. September 1965 Jakob Krauß, Nicolas Hebestreit und Mohammed el-Zain trugen Passagen aus einem Brief vor, den Hirsch Bachenheimer Fritz Plaut Fritz Plaut am 12. Juli 1933 an seinen Cousin Ernesto Plaut in Buenos Aires geschrieben hatte:7

„Lieber Ernesto!

Seit etwa zwei Wochen bin ich in Berlin und nehme bei einem mir von Deinem Vater empfohlenen Herrn spanischen Unterricht. Ich selbst kann nur schlecht beurteilen, wie meine Fortschritte in der Sprache sind, nach Äußerungen meines Lehrers fasse ich schnell auf und hoffe, bald soweit zu sein, dass ich mir in einem spanisch sprechenden Land forthelfen kann, insoweit als es das tägliche Leben verlangt. Das Übrige muss die praktische Übung ergeben. Während meiner Anwesenheit in Berlin gab mir Dein Vater Gelegenheit, die zwischen ihm und Dir geführte Korrespondenz einzusehen, soweit sie ,uns Kinder’ im allgemeinen und mich besonders betrifft. Ich habe hierbei feststellen können, in welch – ich darf wohl sagen: ungeheurem – Umfang Du uns Deine Hilfe zugesagt hast. Da ich glaube beurteilen zu können, wie einschneidend die von Dir vorgesehene Vergrößerung Eures Haushaltes in einem so jungen Hausstande wirken kann, – ganz abgesehen von den hiermit für Dich eintretenden finanziellen Lasten – weiss ich nicht, wie ich Deiner Frau und Dir meinen Dank ausdrücken kann. Du weisst wohl kaum, was für eine außerordentliche große Beruhigung es für uns ist, zu wissen, dass für uns so jemand wie Du da ist. Obwohl ich Eure Hilfsbereitschaft voll anerkenne und Euch hierfür danke, glaube ich doch, dass die Einwendungen Deines Vaters berechtigt sind, und dass es für jeden, der von uns kommen sollte, besser ist, in einer völlig fremden Umgebung und unter dem dauernden Zwang, spanisch zu sprechen, zu leben. Hierdurch wird aber mein Dank für den grossen Rückhalt an Euch nicht geringer.
Die Entwicklung meiner Lage war wie folgt: Am 1. April ds. Js. war ich beurlaubt worden, es gelang mir aber, nach einigen Tagen wieder eingestellt zu werden. Am 30. Mai wurde ich jedoch wieder beurlaubt, und zwar ,bis auf weiteres’ und bekam später die Aufforderung, meine Entlassung aus dem Justizdienst zu beantragen. Ich habe es abgelehnt, diesen Antrag zu stellen und warte jetzt auf meine Entlassung, die wohl täglich erfolgen kann… Die Verhältnisse bei meinen Schwestern sind im Augenblick noch völlig unklar. Gertrud bereitet sich in Heidelberg auf das medizinische Staatsexamen vor. Weder sie noch ihre Professoren wissen aber bis jetzt, ob sie die Prüfung wird machen können. Und wenn sie die Prüfung machen kann, ist noch unklar, was werden wird, insbesondere ob sie die vorgeschriebenen Assistentenstellen bekommt und später approbiert wird. Falls sie nicht zur Prüfung zugelassen wird, muss die Entscheidung in den nächsten Wochen fallen, da sie ihre Papiere in diesen Tagen dem Badischen Ministerium einreicht… Deinen Eltern – das wird Dich am meisten interessieren – geht es nach meiner Meinung gut. Über die allgemeine Lage hier zu berichten, ist im Rahmen eines Briefes nicht möglich, es würde ein Buch, da zu viele Einzelentscheidungen zu berücksichtigen sind. Über die Bemühungen zur Hebung der Wirtschaft, über deren Erfolge sehr optimistisch in den Zeitungen berichtet wird, bist Du wohl durch deren Lektüre orientiert.
Bei allen Massnahmen ist immer zu berücksichtigen, dass es in Deutschland, wenigstens in den letzten 15 Jahren, nie eine Regierung mit einem so starken Rückhalt gegeben hat. Prophezeiungen sind natürlich nicht möglich, ich glaube aber, dass die Regierung ihre Massnahmen wird ungestört durchführen können, da es m. W. gegenwärtig in Deutschland niemanden gibt, der bessere und durchführbare Vorschläge machen kann. Frühere Regierungen haben alles Mögliche versucht, ohne einen Erfolg zu haben. Inzwischen ist aber alles auf solch einem Punkt angekommen, dass ohne ausserordentliche Massnahmen bestimmt nichts zu erreichen ist. Aus diesem Grund glaube ich auch, dass eine Kritik an Einzelmaßnahmen unberechtigt ist – abgesehen natürlich von solchen untergeordneter Organen ohne Auftrag, die scharf bekämpft werden – da eben im Ganzen etwas Neues geschaffen werden soll. – – – Doch Schluss mit der Politik, sonst wird’s doch ein Buch.
Ich wollte nur soviel schreiben, um zu zeigen, dass man versuchen muss, vorurteilslos an die Sache heranzugehen. Da mir dies bei der Judenfrage nicht möglich ist, schweige ich hierüber. Der offizielle Standpunkt ist bekannt und Plädoyers sind zwecklos…. Mit einer Antwort an mich brauchst Du Deine nur knapp bemessene Freizeit nicht auszufüllen. Dein Vater gibt mir von allen an ihn gerichteten und mich betreffenden Nachrichten Kenntnis…“

(P.S.) „Ich habe den Brief bis heute, den 13. Juli, liegen lassen, da er erst heute abzugehen braucht und ich gestern abend bei Deinen Eltern war. Ich erfuhr dort, dass Du in deinem letzten Brief noch mal darauf hinwiesest, ich könne in meinem Beruf nicht weiter arbeiten. Hierzu nur noch kurz: 1. Meine Ansprüche sind im Laufe der letzten Jahre schon hier ausserordentlich zusammengeschrumpft und lassen sich gegebenenfalls noch weiter zurückschrauben. 2. Wenn ich nach dort komme, werde ich noch mehr als jetzt auf dem Punkt sein, wo meine Chancen hier gleich null sind. Jede Beschäftigung, auch die geringste, ist dann ein in Verhältniszahlen nicht mehr auszudrückendes Vielfaches und wird im Hinblick hierauf dankbarst angenommen.“

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