Hirsch Bachenheimer

Hirsch Bachenheimer, der Großvater Hanna Lewinsons, lebte in Uelzen, Alewinstraße 30. Geboren 1862, studierte er am jüdischen Lehrerseminar Hannover und arbeitete von 1882 bis 1938 in der jüdischen Gemeinde Uelzen. Als Religionslehrer unterrichtete er jüdische Kinder, auch seine Enkelinnen Hanna und Ruth. Die Auswirkungen nationalsozialistischer Politik des Antisemitismus spürte die Familie Bachenheimer/Horwitz in zunehmendem Maße, gesellige Abende mit den Nachbarn wurden seltener, die Familie vereinsamte. Hirsch Bachenheimer starb 1940. Die Schülerinnen Mira Schumann, Eva Rungweber, Leona Großmann lasen aus einem Brief4 vor, den Hanna Lewinson im Alter von fast 84 Jahren an Dietrich Banse geschrieben hatte:

Foto: Privat

Großvaters Wirken „Er war die Seele für alles. Er unterrichtete Kinder, auch meine Schwester und mich in späteren Jahren. Er hielt die Gemeinde aufrecht und mietete den Betsaal in der Schuhstraße für die hohen Feiertage. Er traute meine Eltern und hatte auch die Erlaubnis, Fleisch zu schächten [= nach religiöser Vorschrift zu schlachten], denn wir hatten einen koscheren Haushalt dann und auch jetzt. Sein Freund, Schlachtermeister Kupfernagel, hat ihn immer bei sich schlachten lassen, damit wir das koschere Fleisch hatten. Mit dem Schächtverbot war es das Ende. Mein Großvater begrub alle seine Schächtmesser irgendwo, wenn jemand sie gefunden hat, weiß er nicht, was das ist… Mein Großvater hatte gegenüber vom Haus einen Garten, wo er Gemüse, Obst und Blumen pflanzte. Er liebte das sehr, der Garten war gemietet von der katholischen Kirche. Jetzt stehen dort Häuser. Unser Haus5 ist nun ein Parkplatz, denn es wurde im Krieg zerstört…

Am Ende des Lebens | Mein Großvater war der beste Mensch, den es gab. Er half Menschen, die Hilfe brauchten in jeder Weise. Wenn ich einen besonderen Wunsch hatte, brauchte ich nur zu Opa gehen, er verwöhnte seine Enkeltöchter. Er war bekannt in der Stadt und als man in der ,Kristallnacht’6 meinen Vater, Wilhelm Horwitz, verhaftete, brachte der Polizist Fehlhaber es nicht über das Herz, Hirsch Bachenheimer mitzunehmen. Mein Großvater wäre beinahe in der ,Kristallnacht’ ums Leben gekommen, als ein großer Stein durchs Fenster auf sein Bett fiel aber ihn nicht traf… Ich sah ihn das letzte Mal, als er mir nachwinkte, als ich mit meinen Eltern die Alewinstraße rauf ging zum Bahnhof, um in Hamburg aufs Schiff zugehen nach USA. Mein Großvater starb 1940 an einem Schlaganfall. Er war der letzte Mensch, der auf dem jüdischen Friedhof in Uelzen begraben wurde…“

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