Holocaust-Gedenktag 2019 | Einleitung

„Erinnerungen“ | Uelzener Schülerinnen und Schüler geben Uelzener Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens eine Stimme.

Zum Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft am 27. Januar 2019 hatte die Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. in den Ratssaal im Rathaus der Hansestadt Uelzen eingeladen. Zuvor legten Brigitte Kötke, stellvertretende Bürgermeisterin, und Dr. Christine Böttcher, Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Uelzen, am Denkmal zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft am Rathaus Blumen nieder, begleitet von der auf dem Akkordeon einfühlsam vorgetragenen Musik durch Susanne Niebuhr.1 Brigitte Kötke erinnerte an die Schrecken nationalsozialistischer Gewaltherrschaft auch in dieser Stadt und mahnte zur Wachsamkeit gegenüber neuen nationalistischen, völkischen und rassistischen Strömungen in der Gesellschaft. Die Feierstunde im Ratssaal wurde von Schülerinnen und Schülern des Herzog-Ernst-Gymnasiums (HEG) und ihren Lehrerinnen Dr. Susanne Holmes und Julia Prietzel in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Uelzen gestaltet, Roland Falk und Heiko Schlegel, beide Lehrer am HEG, sorgten für musikalische Akzente.2 Schon am Nachmittag hatten sich Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen sowie Mitglieder der Geschichtswerkstatt im Ratssaal versammelt, um über „Skipe“ mit Hanna Lewinson in den USA und Paula Plaut in Argentinien zu kommunizieren. Die Schülerinnen und Schüler waren beeindruckt von den anregenden Gesprächen mit den beiden Damen, deren frühe Lebenswege sie im Rahmen ihrer Lesung vortragen wollten. Vor der Lesung von Briefen und Dokumenten stellte Dietrich Banse, Mitglied in der Geschichtswerkstatt Uelzen, die in Rede stehenden Personen jeweils mit einem biographischen Abriss vor.

Nach dem 30.Januar 1933

Hirsch Bachenheimer

Fritz Plaut

Hanna Lewinson

Nach dem 28.Mai 1945

Walter Osterwald

Hanna Lewinson | Fortsetzung

Schluss
Die Gäste dankten am Ende der Feierstunde allen Beteiligten mit langanhaltendem Beifall, als Dank und Anerkennung erhielten alle Mitwirkenden eine Rose. Die großzügige Spende, die am Ende des Abends von den Gästen gegeben wurde, verwendete die Geschichtswerkstatt Uelzen für eine Exkursion zur Gedenkstätte Bergen-Belsen im Juni 2019, zu der Schülerinnen und Schüler des HEG mit ihren Lehrerinnen und Lehrern eingeladen wurden.

Nachtrag
Die Vorbereitungen für die Gestaltung der Feierstunde begannen schon im Herbst 2018. Julia Prietzel, Geschichtslehrerin am HEG, schrieb zur Auswahl der vorgetragenen Texte: „Ich habe die mir vorliegenden Texte von ehemaligen jüdischen Bürgern und Bürgerinnen aus Uelzen ausgesucht, da sie mir einzelne Facetten von Leben und Verfolgung widerspiegelten. Die Schilderung des jüdischen Lebens macht den Verlust einer Kultur noch deutlicher. Die vielfältigen Bemühungen um eine Ausreise zeigen den Verlust von Heimat und Geborgenheit. Die ,Persilscheine’ zeigen, dass nicht alle Deutsche über einen Kamm geschoren werden können. Das Aufeinandertreffen von Verfolgten und den Zurückgebliebenen zeigt, dass Versöhnung Mut braucht.“12 Die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern sei positiv verlaufen, die Jugendlichen seien motiviert gewesen: „Die Schülerinnen und Schüler bekamen dann die Hausaufgabe, alle Texte einmal zu lesen und bei ihren Texten selbst zu entscheiden, welche Stellen sie vorlesen möchten. Sie trafen sich anschließend für eine Doppelstunde, ihre Wünsche miteinander zu vereinbaren und zu entscheiden, wer was liest. Dies hat in hervorragender Weise funktioniert! Die Schülerinnen und Schüler waren aufgeschlossen und konstruktiv, wir konnten die erste Leseprobe noch in der Stunde abhalten. Die nächste Hausaufgabe war, die Texte zu üben. Dann kam unsere gemeinsame Generalprobe.“ Zum Schluss die Meinung einer Schülerinnen, die an der Feierstunde mitgewirkt und sich über ihr Engagement Gedanken gemacht haben: „Ich fand es sehr interessant an einem historisch gesehen so wichtigen Tag mitwirken zu können. Außerdem war es beeindruckend mit betroffenen Überlebenden bzw. mit deren nächsten Angehörigen aus dieser Zeit zu sprechen, weil die Thematik des Nationalsozialismus dadurch sehr greifbar und real wurde, anstatt sich nur auf die Theorie des Unterrichts zu beschränken. Zudem finde ich es wichtig, dass sich Jugendliche auch in Zukunft noch mit diesem Thema beschäftigen, weil es in unserer Hand liegt, dass sich so etwas Schreckliches niemals wiederholt.“ (Eva Rungweber)13

Anmerkungen

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