Juden in Uelzen

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Uelzen bis 1942

Mit Hermann BenjaminHermann Benjamin Hermann Benjamin (1881–1963)wurde am 26. August 1881 in Uelzen geboren. Er war mit Meta Lion verheiratet. 1905 übernahm er als Färbermeister die Dampffärberei und chemische Wäscherei seines Vaters Eduard in der Gudesstraße. Als er ab 1930 Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt war, flüchtete er 1934 mit seiner Frau nach Palästina, wo sie sich in Ramat Gan niederließen. Hermann Benjamin starb dort 1963., der 1843 als vollberechtigter Bürger in die Stadt Uelzen aufgenommen wurde, begann die kurze Geschichte einer kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Assimilation in dem kleinen Landstädtchen Uelzen. Dieser Prozess endete 1933. Schon vor 1843 lebten Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt, doch hatten sie keine Möglichkeit, eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen, waren abhängig von landesherrlichen Vorgaben (Schutzjuden) oder gar städtischer Willkür ausgesetzt (Betteljuden). Sicher ist, dass sich erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts (1813) Juden in Uelzen für einen längeren Zeitraum aufhalten durften. Vor diesem Zeitpunkt duldete man sie allenfalls als durchziehende “Handelsjuden”, deren Aufenthalt zeitlich und räumlich eng begrenzt war. Die Mehrzahl der erwerbstätigen Bürger jüdischen Glaubens waren entweder Gewerbe- Treibende oder vereinzelt im Dienstleistungsbereich tätig. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass sich in Uelzen nur ein bescheidenes Gemeindeleben (Synagogengemeinde) entfalten konnte. Der kleine Betraum in der Schuhstraße ist dafür ein Hinweis. Um 1900 lebten hier 93 Juden, 18 waren beitragspflichtige Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Ihre Zahl sank ständig. 1923 waren es noch 60.. Zwischen 1933 und 1942 lebten insgesamt 50 Bürger jüdischen Glaubens in der Kleinstadt. Manche von ihnen waren in dieser Zeit noch nach Uelzen gezogen, andere wiederum verließen die Stadt nach kurzem Aufenthalt aus politischen Gründen wieder- entweder in die Großstadt oder gleich ins sichere Ausland. Mit der Deportation der Eheleute Lerner im Jahr 1942 endete die Geschichte der jüdischen Gemeinde Uelzens

Weiterleben nach dem 8./9.Mai 1945

Nach der Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Herrschaft durch die alliierten Siegermächte gab es nur einige wenige Menschen, die aus jüdischen Verhältnissen stammten und in Uelzen weiter leben wollten, sich aber nicht öffentlich zu ihrem Glauben bzw. zu ihrer Herkunft bekennen mochten. Es gibt heute keine jüdische Gemeinde mehr in Uelzen. Die Geschichte der Uelzener Juden ist nach 1945 in Vergessenheit geraten Erst die fast zeitgleiche Veröffentlichung von zwei Büchern, in der in sehr unterschiedlicher Weise an die Geschichte der Uelzener jüdischen Gemeinde erinnert wird, lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für einen kurzen Moment auf diesen sehr wechselvollen Part Uelzener Stadtgeschichte¹.

Fünf Jahre später befasst sich Stefan Heinemann im Rahmen seiner Dissertation² auch mit der Geschichte der Uelzener Juden und weist dabei zu Recht auf viele ungeklärte Fragen hin, wie z.B. Probleme der Restitution und Wiedergutmachung.³

Weiterleben nach dem 8./9.Mai 1945

Nach der Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Herrschaft durch die alliierten Siegermächte gab es nur einige wenige Menschen, die aus jüdischen Verhältnissen stammten und in Uelzen weiter leben wollten, sich aber nicht öffentlich zu ihrem Glauben bzw. zu ihrer Herkunft bekennen mochten. Es gibt heute keine jüdische Gemeinde mehr in Uelzen. Die Geschichte der Uelzener Juden ist nach 1945 in Vergessenheit geraten Erst die fast zeitgleiche Veröffentlichung von zwei Büchern, in der in sehr unterschiedlicher Weise an die Geschichte der Uelzener jüdischen Gemeinde erinnert wird, lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für einen kurzen Moment auf diesen sehr wechselvollen Part Uelzener Stadtgeschichte¹.Fünf Jahre später befasst sich Stefan Heinemann im Rahmen seiner Dissertation² auch mit der Geschichte der Uelzener Juden und weist dabei zu Recht auf viele ungeklärte Fragen hin, wie z.B. Probleme der Restitution und Wiedergutmachung.³
¹Woehlkens, Erich, Kuhlmann, Lisa;Weiland, Beate L.: Beiträge zur Geschichte der Juden in Uelzen und Nordostniedersachsen, Oldenburg 1996 ²Pfadfinderinnen und Pfadfinder des Stammes St. Hubertus Uelzen e.V. (BdP): Juden in Uelzen – Erinnerungen- 2. Auflage, 1997 ³Heinemann, Stephan: Jüdisches Leben in den nordost niedersächsischen Kleinstädten Walsrode und Uelzen, Walsrode 2001

Dietrich Banse unternimmt nun in seinem Buch “Gedemütigt- Vertrieben- Ermordet” (4) den Versuch, das Leben eines jeden einzelnen Juden zu beschreiben, der zwischen 1933 und 1942 in Uelzen lebte. Oft gelingt es ihm auch, Fotos einzelnen Personen zu zuordnen, so dass der Leser einen guten Einblick in eine zerstörte jüdische Gemeinde erhält. Bald nach dem Krieg, schon in den fünfziger Jahren zog es vereinzelt ehemalige jüdische Uelzer Bürgerinnen und Bürger zurück in ihre “Heimatstadt” wenn auch nur für kurze Zeit und ohne öffentliche Anteilnahme. Erst Hanna Lewinson (geb. Horwitz) brach das Schweigen, gab sich in der Öffentlichkeit als ehemalige Uelzer Jüdin zu erkennen und suchte bei ihren Besuchen in Uelzen stets das Gespräch mit jungen Menschen.

Am 9.11.1999 enthüllte sie zusammen mit Bürgermeister Otto Lukat drei Metalltafeln am Mahnmal für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, auf den u.a. auch auf die Zerstörung der jüdischen Gemeinde Uelzens verwiesen wird.

Hanna Lewinson war es denn auch, die am 9.11.2006 zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt Uelzen, Otto Lukat, eine weitere große Bronzetafel(5) am neuen Rathaus der Stadt Uelzen enthüllte. Auf dieser Tafel wird an 49 Uelzener Bürger jüdischen Glaubens erinnert, die zwischen 1933 und 1942 in Uelzen lebten und deren Lebensläufe sehr unterschiedlich verliefen (siehe Dietrich Banse “Gedemütigt…..”)

Die Feier am 9.11.2006 war Teil eines Besuchsprogramms, das die Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Uelzen und dem Arbeitskreis “Gedenktafel” geplant und durchgeführt hatte. Zu dieser Woche der Begegnung waren ehemalige jüdische Bürgerinnen Uelzens, deren Kinder bzw. Großkinder von weit her angereist.(6) Die Gruppe umfasste 11 Personen. Höhepunkte des Programms waren neben einem Empfang beim Bürgermeister der Besuch der Gedenkstätte KZ Bergen-Belsen und die Eröffnung der Ausstellung “Uelzener Bürger jüdischen Glaubens” im Foyer des neuen Rathauses. Die Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. ist sehr interessiert an Dokumenten (Bilder, Briefe, Zeitzeugenaussagen usw.), die Auskunft über das Leben der jüdischen Bürger Uelzens geben. Bitte nehmen sie mit uns Kontakt auf!

zu 4 * Banse, Dietrich: “Gedemütigt – Vertrieben – Ermordet” – Uelzener Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens zwischen 1933 und 1942,Uelzen 2008 erschienen als Band 2 in der Schriftenreihe für Zeitgeschichte der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. zu 5 * Die Finanzierung der Bronzetafel erfolgte dank einer großzügigren Spende der Sparkassenstiftung und zahlreicher Einzelspenden Uelzener Bürger.

zu 6 * Die Begegnungswoche konnte dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Erinnerung -Verantwortung – Zukunft, Berlin; der Niedersächsischen Lottostiftung Hannover; der Stiftung Niedersächsischen Gedenkstätten, Celle; der Nordzucker AG Braunschweig und der Uelzena Milchwerke e.G. Uelzen und der Stadt Uelzen durchgeführt werden.

Angebote

Die Geschichtswerkstatt macht Einzelpersonen bzw. Gruppen folgende Angebote:

  • Führung über den jüdischen Friedhof
  • Führung zu jüdischen Wohn- und Arbeitsstätten
  • Einführung in die Geschichte der Uelzener Juden

1 Kommentar

[…] Hermann BenjaminHermann Benjamin Hermann Benjamin (1881–1963)wurde am 26. August 1881 in Uelzen geboren. Er war mit Meta Lion verheiratet. 1905 übernahm er als Färbermeister die Dampffärberei und chemische Wäscherei seines Vaters Eduard in der Gudesstraße. Als er ab 1930 Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt war, flüchtete er 1934 mit seiner Frau nach Palästina, wo sie sich in Ramat Gan niederließen. Hermann Benjamin starb dort 1963. wurde am 26. August 1881 in Uelzen geboren. Er war mit Meta Lion verheiratet. 1905 übernahm er als Färbermeister die Dampffärberei und chemische Wäscherei seines Vaters Eduard in der Gudesstraße. Als er ab 1930 Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt war, flüchtete er 1934 mit seiner Frau nach Palästina, wo sie sich in Ramat Gan niederließen. Hermann BenjaminHermann Benjamin Hermann Benjamin (1881–1963)wurde am 26. August 1881 in Uelzen geboren. Er war mit Meta Lion verheiratet. 1905 übernahm er als Färbermeister die Dampffärberei und chemische Wäscherei seines Vaters Eduard in der Gudesstraße. Als er ab 1930 Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt war, flüchtete er 1934 mit seiner Frau nach Palästina, wo sie sich in Ramat Gan niederließen. Hermann Benjamin starb dort 1963. starb dort 1963. […]

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